|
 Das
ist eine recht lange Geschichte. Es gab ja einst Zeiten, da hatten wir hier in
Deutschland nur drei Fernsehprogramme und noch keine Videorecorder. Da liefen
die Filme noch im Kino und an jeder Ecke konnte man sich jedes Wochenende für
ein paar Mark Filme angucken. Was da immer am besten ankam, waren
Science-Fiction-, Monster und eben Godzilla-Filme.
 Ein
Kumpel von mir schleppte mich damals mit zu King Kong gegen Godzilla. Ich
hatte zuerst überhaupt keine Vorstellung was das sein könnte. Das war eben
geil. Der Mechagodzilla sah aus wie ein riesiger Ofen mit Armen und Beinen dran,
aber hatte eben tolle Raketen, tolle Laserstrahlen. Es war eine unglaubliche
Action auf der Leinwand, unglaubliche Farben, - es war einfach wild, und na ja,
danach bin ich dann jede Woche ins Kino gegangen. Ich habe mir damals schon
immer gewünscht, sowas irgendwann mal selber zu machen.
Jetzt arbeitest du an einer Idee mit dem Arbeitstitel Kongula, Affengigant
desGrauens?
 Ja,
wobei dieser Titel ja erst 2003 entstanden ist. Ursprünglich hieß das Ganze
mal I Was A Teenage King Kong und war eine Party-Idee. Wir hatten damals
die Idee, mit ganz einfachen Mitteln einen kleinen verrückten King-Kong-Film zu
drehen. So reifte die Idee und ich dachte, der Titel I Was A Teenage King
Kong ist einfach völlig verrückt und völlig bescheuert.
 Mit
der Begeisterung, die wir in das Projekt hineingesteckt haben, wurde es dann
immer besser, und auch die technischen Möglichkeiten wurden immer besser.
Damals hätte kein Mensch gedacht, dass man mal zu Hause einen "richtigen
Film" drehen kann. Inzwischen kann man wohl sagen: jetzt ist es soweit,
dass es tatsächlich möglich ist. Jetzt fehlen eben nur noch die Leute, die
mitmachen - weil ohne Darsteller wirkt das Ganze natürlich nicht gut.
Die Monsterfilme, in denen Tiere auf gewaltige Größe anwachsen, und dann
Städte zerstören, gibt’s ja schon eine ganze Weile. Kannst du beschreiben
was der besondere Reiz daran ist?
 Ja
muss ich sagen, bei uns sieht es ein bisschen anders aus. Wir gehen eigentlich
auf das klassische Mutationsschema zurück: Nicht ein Tier wird riesengroß,
sondern ein Mensch verwandelt sich in ein Tier und wird dann riesengroß.
Kongula, der Affengigant des Grauens, ist ursprünglich ein Mensch, der zu einem
Gorilla mutiert und dieser Gorilla wächst dann auf riesige Größe an. Wir
haben damit also das Schema schon ein wenig durchbrochen, weil ich mich
natürlich auch an meinen früheren Lieblingsfilmen orientiere, z.B. Gigant
des Grauens. Da wächst ein Mann auf riesige Größe an, verliert dabei
seine Haare und dann auch noch ein Auge im zweiten Teil und tappst durch die
Gegend und macht auch alles Mögliche kaputt. [grinst] Und das wollte ich so ein
bisschen vermischen mit diesen King-Kong- und Godzilla-Filmen.
 Ich
hätte auch gern einen Godzilla-Film gedreht, aber das Kostüm wäre zu teuer
geworden. Aber dieser Spaß am Spektakel ist eigentlich das, was das Ganze
ausmacht, diese lustvolle Zerstörung von Modelllandschaften. Wir wussten ja
auch damals, als wir als Kinder die Filme im Kino gesehen haben, dass es Modelle
sind. Einerseits ist es unglaublich toll zu sehen wie viel Mühe in den Modellen
steckt; wenn man sich vorstellt, da haben Dutzende von Leuten dagestanden und
haben kleine Häuser Stein für Stein aufgebaut. Es heißt ja immer, es seien
Gebäude aus Pappmaschee oder Gips. Nein, die sind wirklich aus kleinen
Steinchen aufgebaut worden, mit einer Außenhülle versehen worden, da sind
kleine Fenster eingebaut worden und man sieht dann wirklich wie die Stück für
Stück von den Monstern abgetragen werden. Es sind die Laser-Strahlen, die durch
die Gegend zucken. Es ist die tolle Musik, die ganze Mischung. Wenn die
funktioniert, dann macht das einfach einen unglaublichen Spaß.
Du bist gerade dabei, für diesen Film ein Team zusammenzustellen. Wie groß
soll dieses Team werden, und in welchem Rahmen werden die Arbeiten stattfinden?
 [lacht]
Oh, da könnte ich jetzt natürlich ein Buch füllen mit den Antworten auf diese
Fragen. Wir wissen es ehrlich gesagt noch nicht. Es hängt natürlich davon ab,
wie viel Talent wir aufbringen können und wie groß das Interesse der Leute
ist. Wir haben jetzt gerade eine Musikerin kennen gelernt, die bei uns gerne den
Soundtrack machen möchte. Wir suchen immer noch nach begabten Kameraleuten und
Beleuchtern, weil wir das Ganze doch schon möglichst professionell aussehen
lassen möchten. Die Darsteller suchen wir uns auch ganz gezielt zusammen.
 Es
ist auch so, dass es immer noch kein wirkliches Drehbuch gibt. Es gibt ein
Treatment, es gibt Teile des Drehbuchs. Und es ist so, dass teilweise Rollen in
den Film hineingeschrieben werden, weil wir einen guten Darsteller finden. So
war es zum Beispiel mit unserem Wissenschaftler. Oder auch mit dem Kommandanten,
den wir dann endlich gefunden haben. Wir können uns keine Gagen leisten, und
wir wollen auch Leute haben, die mit dem Herzen dabei sind und die wirklich Lust
darauf haben, zumal das Projekt sich jetzt über einige Jahre hinzieht. Wenn
dann der Film halb fertig ist und ein wichtiger Darsteller springt ab - das
Risiko wäre mir dann einfach zu groß. Ich habe nun das Glück gehabt, Leute
kennenzulernen, die tatsächlich schauspielern können. Die große Schwierigkeit
ist, wirklich ein Team von interessierten Leuten zusammenzustellen, die sich
auch dafür hergeben, in so einer Satire mitzuspielen, sich selbst auch ein
bisschen auf die Schippe zu nehmen. Das liegt ja nicht jedem.
 Mir
wird auch immer wieder die Frage gestellt, wie lang der Film denn wird, und ich
antworte dann jedes Mal, "Er wird so lang werden wie er gut wird.",
denn wir wollen keine Füllszenen haben, nur um ihn unbedingt auf neunzig oder
hundert Minuten zu bringen. Wenn er am Ende nur fünfzig oder sechzig Minuten
lang ist und Spaß macht, dann ist mir das viel wichtiger als dass ich einen
langen, abendfüllenden, großen Film gedreht habe.
Es gibt ja jetzt deine Internet-Seite speziell zu diesem Projekt, und ein
Internet-Diskussionsforum. Da kann man sich Einzelbilder angucken,
beziehungsweise jetzt auch Ausschnitte. In dem Teaser gibt es eine Sequenz, wo
Kongula ein Schiff aus dem Wasser hochhebt und zerstört. Dann gibt es die
Stelle, wo Kongula nach einem Hochspannungsmast greift und einen Stromschlag
bekommt. Für dieser Szene hast du auch schon großes Lob bekommen. Sind das
eigentlich Szenen, die auch im fertigen Film verwendet werden sollen, oder ist
das eher ein Probelauf dazu?
 Diese
Szenen werden wohl, nahezu genauso wie sie jetzt im Teaser sind, auch in der
Endfassung sein. Bei dem Boot werden unten vielleicht noch ein paar Wellen
einkopiert, aber ansonsten wird’s wahrscheinlich so bleiben. Dazu kann ich
sagen, die meisten Szenen im Teaser sind innerhalb von zwei, drei Wochen
entstanden, ohne Hilfe. Ich musste das also alles ganz allein machen. Man muss
sich das so vorstellen: Ich musste das Boot auf einem Holzbock bewegen, dabei
mit dem Fuß die Nebelmaschine bedienen und dann auch noch als Monster dahinter
auftauchen, denn ich spiele ja auch noch das Monster im Film. Das ist natürlich
unglaublich schwierig.
 Es
kann also durchaus sein, dass einige der Szenen noch einmal gedreht werden.
Wobei ich sagen muss, die Strommastszene ist wohl schon so ziemlich Ende der
Fahnenstange bei dem, was man überhaupt mit Heim-Ausrüstung erreichen kann.
Das Monster greift da rein, die Blitze zucken... ich wüsste bei der Szene
wirklich nicht, was ich daran noch verbessern könnte. Außerdem sehe ich auch
das Risiko, dass wenn man zu akribisch rangeht und zu sehr versucht, es zu
perfektionieren, das Ergebnis am Ende einfach zu geleckt aussieht. Es soll ja
noch ein bisschen den Look der alten Toho-Studio-Filme haben. Das Publikum soll
merken, dass es sich noch um Modelle handelt. Es soll nur nicht völlig peinlich
aussehen.
Bei großen Hollywood-Filmen sehen wir das "Making of" immer wenn
ein Film abgedreht ist und kurz vor der Premiere steht. Du machst jetzt
praktisch ein "Making of" noch bevor wir genau wissen, wie das fertige
Produkt aussehen wird. Ist das deine spezielle Arbeitsweise?
 Zunächst
rede ich nicht gern über dieses Projekt, ohne etwas zeigen zu können. Wenn mir
jemand gesagt hätte, "Ich dreh’ da einen Monsterfilm.", hätte ich
gedacht, du kannst mir ja viel erzählen, und hätte wahrscheinlich gedacht, da
stellt sich einer mit seiner Kamera hin, lässt jemanden im Zottelkostüm durch
die Gegend laufen und irgendein Papphaus umwerfen, und das war’s. Deswegen
zeige ich eben auch gerne Szenen, um zu demonstrieren, dass wir das Ganze
tatsächlich auf die Beine stellen können. Es ist eben wirklich möglich einen
Monsterfilm zu drehen, der tatsächlich auch diesen Look und das Feeling der
alten Filme hat.
 Bei
dieser ganzen Arbeit versuche ich übrigens auch, die alten
Spezialeffekt-Techniken am Computer nachzuvollziehen. Dass ich jetzt schon so
viel zeige, und teilweise auch zeige, wie es entsteht und entstand, ist auch
eine Art Lockmittel, um Leute zur Mitarbeit zu bewegen. Ich möchte ihnen
zeigen, "Hallo, das macht auch Spaß, so etwas zu drehen, das ist spannend,
und wir können es drehen." Andererseits hat die legendäre Firma
American International Pictures auch in den 50er Jahren bereits ähnlich
gearbeitet, indem sie erst das Plakat, und häufig auch schon den Trailer
produziert haben, und hinterher erst den Film. Manchmal stand da noch nicht mal
das Drehbuch. Es gab den Titel, ein Plakat und ein paar Ausschnitte, und das war’s
eigentlich schon.
 Wir
haben kein Budget. Wir müssen immer sehen, wo kriegen wir jetzt Requisiten her?
Wo kriegen wir Kostüme her? Wir bauen eigene Modelle. Wir bauen das Ganze
Stück für Stück auf. Da möchte ich dann natürlich auch ab und zu schon mal
zeigen, was wir erreicht haben, und was möglich ist und wie sich das Projekt
entwickeln wird.
Ist das Ungeheuer Kongula ein Einzelgänger?
 Ja.
Wir folgen damit auch einer alten Tradition, dass im ersten Film eigentlich
immer das Monster alleine auftritt, und erst, falls es vielleicht mal eine
Fortsetzung gibt, wird es dann zu dem von vielen Fans schon jetzt geforderten
großen Monsterkampf kommen. Wir wollten also nicht übertreiben, sondern
denken, dass die Story und die Gags und Szenerien, die wir jetzt haben, schon
allein stark genug sind, dass wir nicht noch ein zweites Monster brauchen. Es
wird schon schwer genug, überhaupt eines auf Hamburg loszulassen.
Soweit ich das jetzt überblicke, verknüpfst du mit diesem Projekt zwei
Genres: den amerikanischen Trash-Horror-Abenteuerfilm der 50er Jahre, und den
japanischen Monsterfilm.
 Ganz
genau. Es soll wirklich eine Vermischung dieser zwei Genres werden, denn ich mag
beide. Ich fand es reizvoll, das zusammenzubringen, aber dann eben auch nach
Europa zu bringen. Deswegen heißt es auch "Der Hamburger
Monsterfilm". Es ist natürlich ein sehr gewagtes und sehr verrücktes
Projekt. Ob es funktioniert, wissen wir erst, wenn der Film fertig ist. Aber der
Teaser und die Reaktionen der Leute deuten immerhin schon darauf hin, dass wir
uns auf dem richtigen Weg befinden.
Ist King Kong eigentlich dein Lieblingsfilmmonster?
 Ganz
klar nicht. [grinst] Es ist so, dass ich eigentlich nie ein großer King
Kong-Fan war. Für mich war King Kong immer nur ein ziemlich zotteliger Affe.
Ich hab’s eben mehr mit den original-japanischen Monstern, Riesenechsen zum
Beispiel. Der einzige Grund, weshalb wir nun einen Riesenaffen in dem Film
haben, ist der, dass ich seit 1995 schon ein Gorilla-Kostüm in meinem Besitz
hatte. Aber ich war nie ein besonders großer King Kong-Fan. Ich mag den Film
zwar, ich find’ ihn toll, aber es gibt da andere Monster, die mir wesentlich
mehr bedeuten, die mir mehr Spaß machen. Bei King Kong ist die Liebe nicht ganz
so gewaltig, sie ist aber mit den Jahren gewachsen.
Spielt Kongula in der Gegenwart?
 Kongula
spielt jetzt in der Gegenwart. Es war ursprünglich mal geplant, den Film in den
50er Jahren spielen zu lassen. Wir wollten deswegen auch in Schwarzweiß drehen,
aber wir haben dann sehr schnell gemerkt, dass es doch sehr peinlich aussieht,
wenn die Leute in Gegenwartskleidung herumlaufen, oder wenn da Autos aus der
Gegenwart vorbeifahren. Man kann einfach mit den Mitteln, die wir haben, nicht
diesen Look der 50er Jahre hinkriegen.
 Kongula
spielt tatsächlich in der Jetztzeit, und er spielt auch nicht in New York oder
in irgendeiner anderen legendären Großstadt, er spielt eben in Hamburg.
Irgendwann kam ich auf die Idee und sagte: "Zeigen wir doch Flagge und
machen gleich einen Hamburger Monsterfilm". Ich merke auch immer wieder,
wie gut das ankommt. Der Spruch "Der Hamburger Monsterfilm" öffnet
uns einige Ohren, auch bei der Presse. Wenn man sagt "Wir drehen den
Hamburger Monsterfilm.", ist das Interesse doch ziemlich groß.
Das Riesenmonster ist eigentlich nicht hier beheimatet, oder?
 Nein,
die Riesenmonster sind nur bis Dänemark gekommen. Da gab es ja den legendären Reptilicus,
eine fliegende Riesenseeschlange. Ein unglaublich witziger, völlig verrückter
Trash-Film von einer der ganz großen Trash-Legenden, Ib Melchior, zusammen mit
Sid Pink produziert. Bis Hamburg ist bisher meines Wissens noch kein
Riesenmonster vorgedrungen, aber das werden wir ändern.
Wenn dieser Film einmal abgeschlossen sein wird, als was möchtest du
vorzugsweise in den "Credits" stehen? Regisseur, Produzent, Autor -
und Kongula?
 Ich
sage mal, je weniger mein Name im Vor- und Nachspann vorkommt, desto
glücklicher bin ich eigentlich, weil das einfach beweist, dass wir ein großes
Team zusammengestellt haben. Als wir damals auf Partys die ersten
Testvorführungen gemacht haben, stand da überall mein Name, weil ich damit
auch ein wenig provozieren wollte: "Leute, wenn ihr euren Namen auch dort
stehen haben wollt, – so könnte es aussehen." Ich wäre sogar bereit,
die Regie abzugeben, und mich nur um die Spezialeffekte zu kümmern. Wir haben
einmal vorsichtig Kontakt mit einem kleinen Filmteam, das noch recht jung ist,
aufgenommen.
 Mir
geht es nicht darum, meinen Namen auf der Leinwand zu sehen. Mir geht es darum,
einen witzigen, tollen, großen Film in Hamburg spielen zu lassen, das auf die
Leinwand zu bringen als gemeinsames Projekt, und vielleicht später noch
weitere. Ob da nun "Produzent: Ralf Lorenz", "Regie: Ralf
Lorenz" steht... nee, ohne jetzt irgendwie hier den Gutmenschen spielen zu
wollen, darum geht es mir nicht. Ich möchte schöne Spezialeffekte machen, das
macht mir auch am meisten Spaß.
Dieses Interview ist in kompletter Länge im PRANKE-Magazin #24 abgedruckt
worden. Erhältlich ist PRANKE unter www.pranke-magazin.de
|